Konzentration

Zusammenfassung: Top-Leistungen zu bringen heißt, eingeübte Handlungsabläufe im entscheidenden Moment in voller Präzision mit maximalem Effekt abrufen zu können.

Zur Einleitung und Überwachung der Steuerungsprozesse unserer Handlungen ist Konzentration nötig. Gemeint ist damit die Lenkung der Aufmerksamkeit auf Wahrnehmungen, die für die Steuerung wichtig sind – und das Ausblenden von Wahrnehmungen und Gedanken, die den optimalen Ablauf der Handlung stören können.

Nicht ablenken lassen
Störungen unserer Handlungen – auch wenn Top-Leistungen angestrebt werden – können sich aus dem Umfeld ergeben, zum Beispiel:

  • „Ich konnte mich nicht konzentrieren, weil es um mich herum so laut war.“

Entscheidend ist dabei nicht die Störung an sich, sondern die Tatsache, dass diese Störung wahrgenommen wird und die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Im Falle höchster Konzentration würden diese Ereignisse nämlich vielleicht gar nicht wahrgenommen werden.

Störungen können sich aber auch aufgrund eigener Gedanken ergeben, z.B. durch Erinnerungen an vorherigen Misserfolge oder Erwartungen an das Ergebnis der Handlung, zum Beispiel:

  • „Ich konnte gar keinen klaren Gedanken fassen, weil ich immer an etwas anderes denken musste.“
  • „Weil ich dauernd Angst hatte, dass etwas schief geht, konnte ich mich nicht richtig konzentrieren.“
  • „Wenn ich das schaffe, dann habe ich gewonnen.“

Wichtig ist es zunächste einmal für Sportler und Trainer zu erkennen, ob die Konzentrationsprozesse gestört sind. Verschiedene Verhaltensweisen können Anzeichen dafür sein [mehr].

Wie kann man es schaffen, sich nicht von Störungen ablenken zu lassen?
Wenn wir verhindern wollen, dass störende Einflüsse zu einer Ablenkung der Aufmerksamkeit führen, muss die Konzentration im Sinne einer aktiven, bewussten und selbst gesteuerten Lenkung der Aufmerksamkeit erfolgen.

Prinzip dabei ist: Man kann Aufmerksamkeit nicht von etwas unerwünschtem weglenken. Man kann nur die Aufmerksamkeit auf etwas Neues hinlenken und dadurch von den unerwünschten Störungen oder Gedanken ablenken.

Diese aktive Lenkung der Aufmerksamkeit kann durch verschiedene Techniken erreicht werden, zum Beispiel:

  • Tunnelblick
  • Blickführung
  • Rituale

Ein wichtige Voraussetzung für den Erfolg dieser Techniken ist zu beachten: Die aktive Steuerung der Aufmerksamkeit erfordert ein hohes Maß an Anstrengung – und die wird nur aufgebracht, wenn die entsprechenden Ziele in Verbindung mit einer großen Entschlossenheit, diese Ziele auch erreichen zu wollen, vorliegen. Darüber hinaus müssen diese Techniken eingeübt werden, z.B. in Trainingssituation mit bewusst inszenierten Störungen (Regen simulieren durch Nassmachen der Bahn, Wahl der Trainingszeit bei Lärm in der Halle, eingeweihte Trainingspartner die stören etc.)

Hintergrund: Automatisierte Steuerung erreichen
Top-Leistungen werden in der Regel mit eingeübten Handlungsabläufen vollbracht. Die Steuerung dieser eingeübten Handlungsabläufe ist automatisiert, um eine optimale Präzision zu erreichen. Automatisiert heißt, dass große Anteile der Steuerung aus dem Gefühl heraus erfolgen und unbewusst ablaufen. Dabei wirken Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und motorische Kontrolle harmonisch und reibungslos zusammen. Eine automatisierte Handlungssteuerung nutzen wir nicht nur bei Top-Leistungen, sondern in vielen Lebensbereichen, zum Beispiel:

  • Wenn Fahrradfahren einmal erlernt ist, wirken Gleichgewichtssinn und die Steuerung der Lenkbewegungen harmonisch zusammen, ohne dass eine bewusste Koordinierung dieser Prozesse nötig ist.

Der große Vorteil der automatisierten Kontrolle ist deren große Präzision, zum Beispiel:

  • Eine randvoll gefüllte Tasse Kaffee vom Buffett zum Tisch tragen: Wer den Blick auf die Tasse richtet und bewusst versucht, seine Schritte vorsichtig zu setzen und gleichzeitig die Tasse gerade zu halten, wird vermutlich ein Überschwappen des Inhalts kaum verhindern können.
  • Wer dagegen die Tasse kaum beachtet und mit dem Blick auf Weg und Ziel munter drauflos marschiert, kommt möglicherweise ohne einen Tropfen zu verschütten am Tisch an.

Die letztere Strategie dieses Beispiels vertraut auf die automatisierte Steuerung der eigenen Bewegungen und belegt deren größere Präzision im Verhältnis zu einer bewusst kontrollierten Steuerung der Handlung, die natürlich dann zum Tragen kommt, wenn keine automatisierten Steuerungsprogramme vorliegen, d.h. zum Beispiel wenn völlig neue Bewegungen ausgeführt werden sollen.

Das Ziel der Konzentrationsprozesse bei angestrebten Top-Leistungen muss es deshalb sein, die eingeübte automatisierte Handlungskontrolle in Gang zu setzen, ohne dass diese durch äußere Einflüsse, durch eigene Gedanken gestört wird oder dass statt der automatisierten Kontrolle bewusste Steuerungsprozesse stattfinden.

© www.psycho-training.com 2010