Flow

Zusammenfassung: Die Voraussetzungen für ein Flow-Erlebnis sind auch Voraussetzungen für Spitzenleistungen.

Die meisten Menschen, die nach Top-Leistungen streben, können über Situationen berichten, in denen dies auch erfolgreich gelungen ist. Diese Situationen bleiben meist in lebhafter und guter Erinnerung und motivieren zu weiteren Anstrengungen. Häufig sind diese Situationen gekennzeichnet durch eine besondere Form des Erlebens dieser Situationen: Die Handlung wird als mühelos und angenehm beschrieben, Die Konzentration war klar und ungestört. Meist war das Zeitgefühl völlig ausgeschaltet oder die Zeit verging wie im Fluge. Derartige Beschreibungen deuten auf ein Flow-Erlebnis hin.

Flow
Bereits in den 70er Jahren wurde von Mihaly Csikszentmihaly das Konzept des „Flow“ beschrieben (Csikszentmihaly, 1975). Es beschreibt ein besonderes Erleben bei der Durchführung von Tätigkeiten. Es ist charakterisiert durch ein harmonisches Erlebnis, bei dem Körper und Geist mühelos zusammenwirken, bis sich das Gefühl einstellt, dass etwas ganz besonderes mit einem geschieht. Dazu gehört ein Gefühl der Leichtigkeit des Ablaufs sowie ein anderes Zeiterleben. Es ergibt sich ein Gefühl der Kontrolle über die Situation. Alles Wichtige wird mit äußerster Klarheit wahrgenommen, alles Unwichtige bleibt unbeachtet. Alle Handlungen laufen präzise und mühelos ab.

Beispiel: Man kann sich leicht in die Situation eines Kindes hineinversetzen, das zu Weihnachten ein Puzzle, ein Spiel oder einen Baukasten bekommen hat, mit dem es dann den ganzen Abend spielt. Es gibt nichts, was von diesem Spiel ablenkt, nicht einmal Müdigkeit oder Hunger. Das ist Flow.

Prinzipiell kann sich dieses Flow-Erleben auf alle möglichen Tätigkeiten beziehen: zum Beispiel von der Gartenarbeit über Spiele bis zum Autofahren. Bei näherer Betrachtung ist ein Flow-Erlebnis durch verschiedene Merkmale gekennzeichnet:

  • Die Aufgabe wird als Herausforderung wahrgenommen, erscheint aber im Vertrauen auf das eigene Können als lösbar: Es besteht eine Balance zwischen der Herausforderung und dem eigenen Können.
  • Durch die Verschmelzung von Körper und Geist mit Umfeld, Material und Bedingungen entsteht ein harmonisches System.
  • Die Zielsetzung ist vor allem auf die Qualität der Ausführung gerichtet.
  • Interne und externe Rückmeldungen werden mit äußerster Klarheit wahrgenommen und verarbeitet.
  • Im Flow gelingt es, die Energie und die Gedanken ganz auf die Aufgabe zu konzentrieren.
  • Im Flow existiert das Gefühl vollständiger Handlungskontrolle.
  • Im Flow entsteht der Eindruck, dass die Zeit entweder schneller vergeht oder verzögert abläuft.
  • Unsicherheit, Ängste und negative Gedanken verschwinden im Zustand des Flow.
  • Die Handlung wird um ihrer selbst willen ausgeführt und nicht aufgrund damit verbundener Belohnungen.

Csikszentmihaly et al. (2000) sehen im Konzept des Flow sogar eine Perspektive für die Lebensgestaltung: „Wenn man die Grundprinzipien von Flow einmal verstanden hat, tut sich die Gelegenheit auf, sein gesamtes Leben nach den Grundsätzen von Flow zu gestalten. An diesem Punkt wird es möglich, das Leben von einer anstrengenden und chaotischen Tretmühle in etwas zu verkehren, das einem beschwingten Tanz gleicht.“ (S.22)

Flow und Sport

Die Übertragung des Flow-Konzeptes auf Tätigkeiten mit einem besonderen Leistungsanspruch lag nahe und so wurde die Diskussion über Flow und Flow-Erleben auch in die Welt des Sports aufgenommen (u.a. Csikszentmihaly et al., 2000). Die Faszination für den Sport ergibt sich dabei aus der Annahme, dass das optimale Zusammenwirken von Körper und Geist nicht nur positiv erlebt wird, sondern auch besondere Leistungen ermöglicht.

Der empirische Nachweis dieser Annahme hat sich in der Praxis als schwierig erwiesen. Erstens ist Flow ein subjektives Erleben und kann nur schwierig klar definiert werden. Zweitens gelingt das willkürliche Provozieren eines Flow-Erlebens bei weitem nicht immer so, wie man sich das wünscht und drittens ist auch schon manche Top-Leistung ohne offensichtliches Flow-Erleben zu Stande gekommen.

Deshalb erscheint es angemessen, den Zusammenhang zwischen Flow und Leistung folgendermaßen anzunehmen: Die Voraussetzungen für Flow sind auch Voraussetzungen für Top-Leistungen.

Ob es dann zu einem Flow-Erlebnis kommt, könnte dann zwar eine mittel- bis langfristige Auswirkung auf das Erleben und die Motivation des Athleten haben, nicht unbedingt jedoch auf die unmittelbare Leistung. Spitzenleistungen wären dementsprechend bei Vorliegen der genannten Voraussetzungen auch ohne ein Flow-Erleben möglich.

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