Einstellung

Zusammenfassung: Die richtige Einstellung mit dem Willen zum Sieg ist charakterisiert durch eine klare Zielsetzung in Verbindung mit einer hohen Motivation und Entschlossenheit, die gesuchte Chance auch zu nutzen. Wer am Ort des Geschehens und zum richtigen Zeitpunkt genau weiß, was er will, kann seine Kräfte auch entschlossen und erfolgreich einsetzen und hat das berühmte „Messer zwischen den Zähnen“.

Ziele setzen

Der erste Schritt zu Spitzenleistungen besteht darin, sich über die angestrebten Ziele klar zu werden und diese Ziele deutlich zu formulieren – am besten schriftlich. Wer die Chancen einer aktiven Zielsetzung erkannt hat, muss zunächst einmal Ordnung in seine Ziele bringen. Was ist den eigentlich das Wichtigste?

Klarheit bei den großen Zielen hilft, untergeordnete Ziele und Teilziele zu finden und zu formulieren. So kann ein System von Zielen entstehen, das im Alltag hilft, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Mit großen und kleinen Zielen im Hinterkopf wird es auch leichter, Phasen der Orientierungslosigkeit zu vermeiden: Wer Ziele hat, weiß immer, wo es lang geht.

Ziele müssen erreichbar sein

Ziele müssen hoch gesteckt und anspruchsvoll sein. Sie müssen eine Herausforderung darstellen. Aber sie müssen erreichbar erscheinen! Denn das motiviert zu hohen Anstrengungen. Bestätigt wird dies durch Untersuchungen aus der Zielsetzungsforschung: Wer anspruchsvolle Ziele hat, wendet auch höhere Anstrengungen auf, um diese Ziele zu erreichen (z.B. Locke et al., 2002). Wer spürt, dass er sich seinen Zielen nähert, strengt sich erst recht an, um sich seinen Zielen noch weiter anzunähern.

Dennoch müssen Ziele realistisch bleiben: Sie sollen zwar einen hohen Anspruch haben, müssen aber machbar sein. „Ich trainiere 1x pro Woche hart, um Weltmeister im 100m-Lauf zu werden“ wird nie zum Ziel führen. Zur Einschätzung der Machbarkeit sollten eigene Einschätzung und Einschätzung zum Beispiel von Trainern berücksichtigt werden. Unerreichbar hohe Ziele sind nicht motivierend.

Ziele als System

Es gibt Ziele auf verschiedenen Ebenen: Lebensziele, sportliche Ziele, Saisonziele, Tagesziele etc. Ziele können darüber hinaus auch verschiedene Inhalte haben: z.B. Ergebnisziele, Leistungsziele und Verhaltensziele.

Beispiel für ein Ergebnisziel:

  • „Ich will unter die ersten 3 kommen.“

Beispiel für ein Leistungsziel:

  • „Ich will 8,05m weit springen.“

Beispiel für ein Verhaltensziel:

  • „Ich will den Wurf auch mit 4 Umdrehungen sauber ausführen.“

Optimal-, Normal- und Minimalziele

Ziele können sich an verschiedenen Ansprüchen orientieren, die mit den Rahmenbedingungen der jeweiligen Leistungssituation zusammenhängen können: Optimalziele, wenn alles sehr gut läuft, Normalziele, die unter normalen Umständen erreichbar sein sollten und Minimalziele, die auch unter schlechten Bedingungen erreichbar sein sollten.

Wenn der Umgang mit Zielen einmal verinnerlicht ist, sollte ein System von verschiedenen Zielen dafür sorgen, dass in allen wichtigen Situationen Ziele vorhanden sind, die sich ggf. an der aktuellen Situation orientieren, zum Beispiel:

  • „Das Wetter spielt einen Streich und lässt die ursprünglich geplanten Ziele nicht zu.“
  • „Der Gegner präsentiert sich überraschend stark und erfordert ein Ändern der Strategie.“

Motivation und Entschlossenheit

Ziele zu formulieren ist die eine Sache. Die andere ist, diese Ziele derartig leuchten zu lassen, dass sie unser Handeln auch wirklich bestimmen. Dazu gehört es, alle Kräfte zu bündeln und alles Unwichtige wegzulassen. Klar formulierte Ziele sind nur die Grundlage für die äußerste Entschlossenheit, wirklich alle Kräfte einsetzen zu wollen: „Der Wille kann Berge versetzen.“

Voraussetzung für diese Entschlossenheit ist die Verbindlichkeit der Ziele für die eigene Person: Wer ein hohes Ziel erreichen will, muss selbst davon überzeugt sein und alles andere darauf abstimmen. Deutlich wird diese Verbindlichkeit, wenn klar wird, welche anderen Dinge für die Erreichung dieses Ziels aufgegeben werden müssen.

Diese Verbindlichkeit kann auf Dauer nur erreicht und erhalten werden, wenn die angestrebten Ziele etwas mit Leidenschaft und Begeisterung zu tun haben, zum Beispiel:

  • „Ich will das Feuer in ihren Augen sehen“ (Heiner Brand; in Löhr und Brand, 2008).

Spaß an der Sache

Nur wer das, was an Anstrengung mit der Zielerreichung zu tun hat, mit Spaß an der Sache vornimmt, kann auf Dauer die nötige Konsequenz aufbringen. Gemeint ist damit vor allem die Freude an der konkreten Ausführung dessen, was so optimal wie möglich gemacht werden soll und die Begeisterung, wenn dies auch gelingt.

Hilfreich für die Förderung der Entschlossenheit ist weiterhin die Verbindlichkeit der Ziele gegenüber anderen: Wer sich zu seinen Zielen bekennt und dies auch anderen zeigt, schafft eine hohe Motivation, diese Ziele auch zu erreichen. Zu einem erfolgreichen System gehört es, das persönliche Umfeld mit einzubinden, d.h. die eigenen Ziele mit dem Trainer, der Familie und dem Partner abzu¬stimmen und, wenn möglich, einen Konsens herzustellen. Dabei gilt es, von den eigenen Zielen zu überzeugen und selbst Konsequenz zu zeigen. Alle müssen die Ziele unterstützen, um langfristig erfolgreich zu sein. Aber Vorsicht! Wer sich zu weit aus dem Fenster lehnt, kann auch hinausfallen. Wenn durch markige Sprüche der Erwartungsdruck zu groß wird, können Stress und Nervosität zu groß und eine ungestörte Konzentration unmöglich werden.

Entscheidend ist nicht nur konsequentes, zielorientiertes Verhalten zum Beispiel beim Training und bei der Vorbereitung eines Wettkampfes. Darüber hinaus kommt es vor allem auch darauf an, in der entscheidenden Situation äußerst entschlossen zu sein und weder für sich selbst noch für andere den geringsten Zweifel aufkommen zu lassen, was man erreichen will, zum Beispiel:

  • Man hat das Gefühl, sie hat „das Messer zwischen den Zähnen“.

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